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Tatort-Stadion ab 25.11. in Innsbruck

2001 wurde die Ausstellung „Tatort Stadion“ vom Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) entwickelt und seitdem an fast zweihundert Orten in Deutschland gezeigt. Die Ausstellung leistete Pionierarbeit, indem sie Diskriminierung beim Fußball thematisiert.  Nun wird sie erstmals vom Kulturkollektiv Contrapunkt in Österreich gezeigt. Ein Rahmenprogramm rund um  das Thema Fankultur rundet das Ganze ab.

Die Ausstellung Tatort Stadion ist von 25.11. 2011 – 10.12. 2011 geöffnet (außer Montags). Am Wochenenden und Feiertagen von 15:00-20:00 und unter der Woche von 18:00-21:00 in der Bäckerei, Dreiheiligenstraße 21a Innsbruck.

 

Fußball ist mehr als 22 Spieler, ein Ball und das Schiedsrichtergespann.

Das Geschehen auf den Rängen und im Umfeld ist meist mindestens ebenso spannend. Doch gibt es hier durchaus auch unerfreuliche Entwicklungen und Nebengeräusche. Gerade deshalb soll die Ausstellung „Tatort Stadion“ mitsamt Rahmenprogramm auf die Problematik von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit oder Sexismus im Fußball aufmerksam machen. Aber auch die Themen Selbstbestimmte Fankultur sowie Gewalt in der Fanszene und der Umgang der „Offiziellen“ damit sollen im Rahmen der Ausstellung beleuchtet werden.

 

Programm:

25.11. 19:00, Eröffnung der Ausstellung:

Vortrag von Gabriel Kuhn: „Tore schießen reicht nicht“ – Diskriminierung und soziale Verantwortung im Fußball

Der Fußballsport ist ein Brennpunkt gesellschaftlicher Entwicklungen. Einerseits reproduzieren sich in ihm konservative Werte, andererseits beinhaltet er progressive Potentiale. Der Vortrag wirft einen Blick auf die Sozialgeschichte des Fußballs, auf die Formen von Diskriminierung, die ihr innewohnen, und auf die Möglichkeiten, diese in engagierter Vereins- und Fanpolitik zu überwinden.

Zur Person GABRIEL KUHN:

Gabriel Kuhn ist ehemaliger Tiroler Auswahlspieler und lebt heute als Autor und Übersetzer in Schweden. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem Soccer vs. State (2011).

Vortrag von Judith Götz: „Haut´s die Juden eini!“ – Zum Verhältnis von Antisemitismus und Fußball in Österreich“

Ausgehend von der Annahme, dass Fußballmatches die zentralen Werte unserer Gesellschaft in komprimierter Form sichtbar machen, kann gesagt werden, dass Sportstadien lediglich einen örtlich eingegrenzten und zeitlich definierten Raum mit einem bestimmten Publikum darstellen, an welchem die konfliktreichen Auswüchse der Gesellschaft wie Antisemitismus, Rassismus oder Sexismus ausgetragen werden. Da Fußball ursprünglich kein österreichisches bzw. deutsches Spiel gewesen war, wurde sein gesellschaftspolitischer Inhalt erst im Laufe seiner Etablierung vom ideologischen Ballast des als deutsch geltenden Turnens unterwandert. Der antisemitische Nährboden im Sport, den die Nazis für sich vereinnahmten, konnte schließlich auf der florierenden Ablehnung der Juden und Jüdinnen rund um die Jahrhundertwende aufbauen. So scheint es auch kaum verwunderlich, dass sich diverse antisemitische Stereotype und Feindbilder im österreichschen Fußball nach 1945 unmittelbar fortsetzten und bis zum heutigen Tage nicht an Popularität eingebüßt haben.

Zur Person JUDITH GOETZ:

Literaturwissenschafterin und Politikwissenschafterin, Referentin für feministische Politik der ÖH-Bundesvertretung. Seit 2001 zahlreiche Auslandsaufenthalte und soziale Tätigkeiten vor allem in Lateinamerika (Guatemala, Nicaragua, Argentinien, Venezuela), Mitglied der Redaktion Context XXI, zahlreiche Artikel und Vorträge zu den Themenbereichen Rechtsextremismus, Gedenkpolitik und Gedenkkultur in Österreich sowie zu feministischen/frauenpolitischen Fragestellungen.

Musik Support von Tyrolean Tynamite  „Goleador“ Asumi (www.myspace.com/asumandissimo)

01.12. Uhrzeit siehe Programminfo/leokino.at – Der Film „Maradonna by Kusturica“ im Cinematograph

Emir Kusturicas Dokumentarfilm über Diego Maradona, der auf dem Rasen jedes Hindernis umdribbelte, im Alltag jedoch des Öfteren zu Fall kam. So hat man den Weltstar und Trainer der argentinischen Nationalmannschaft noch nie gesehen. Kusturica sagte über diesen Film: „Ich komme aus einem der 24 Länder, das nach 1954 von Amerika mit Bomben beworfen wurde, Serbien. Wenn du sagst ‚Werft keine Bomben auf unser Land‘, dann bist du ein Nationalist. Dieser Film ist mehr als meine politische Einstellung.“

02.12. 19:00, Abend der Faninitiative Innsbruck: Kick-off Fanarbeit -Sozialarbeit mit Fußballfans, außerdem: Tivoli Nord gegen Rassismus 

Auftaktveranstaltung mit Pressekonferenz zum Start des Sozialprojekts der Faninitiative Innsbruck – Verein zur Förderung der Fußball-Fankultur

„Wir lieben alle Farben – außer Violett!“ – Tivoli Nord gegen Rassismus

Aktionen der Fanszene des FC Wacker Innsbruck gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

06.12. 10:15, Chancen zur Überwindung von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit im und durch den (Fußball-)Sport – Workshop der Faninitiative Innsbruck mit Studierenden der LFU der Universität Innsbruck

Nicht ohne Grund ist der Sport oft schon als „Spiegelbild der Gesellschaft“ beschrieben worden. Dieser populäre sozialwissenschaftliche Topos weist auch darauf hin, dass sich im sozio-kulturellen Feld des Sports sowie dessen politischen und ökonomischen Verflechtungen exemplarisch gesellschaftliche Ideologien und Herrschaftsverhältnisse aufzeigen lassen. Dies gilt auch für Rassismus und Xenophobie, insbesondere für die Ausprägungen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, die sich gerade im beliebten Zuschauersport Fußball und dem damit verbundenen Fantum reproduzieren. Gleichzeitig wurden in der Vergangenheit seitens der Sportverbände und staatlichen Institutionen, nicht zuletzt aber auch von vielen Fußballfan-Initiativen zahlreiche Projekte forciert, die darauf abzielen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Schließlich bietet der gesellschaftliche Teilbereich des Sports prinzipiell ein geeignetes Vehikel, um Feindbilder und Vorurteile zu überwinden und ein interkulturelles und interreligiöses Miteinander zu fördern.

Zur Person STEFAN HEBENSTREIT:

Diplom-Politologe, Universität Marburg/Lahn, Dozent für Politische Bildung am Lernzentrum Bildungsarena der Deutschen Sportjugend Frankfurt, Projektkoordinator und Referent der Faninitiative Innsbruck.

06.12. Uhrzeit, siehe Programminfo/leokino.at – Der Film „Offside“ im Cinematograph

Eine Frau will sich im Teheraner Azadi-Stadion das WM-Qualifikationsspiel Iran gegen Bahrain anschauen, darf aber nicht, da der Besuch nur Männern gestattet ist. Verkleidet versucht sie es trotzdem. Gewinner des Silbernen Bären bei der Berlinale 2007.

09. 12. 19:00, Abschlussveranstaltung in der Bäckerei

Vortrag und Diskussion von Gerd Dembowski: „Das Elend der Männlichkeiten“

Gerd Dembowski zeichnet nach, wie sich Konstruktionen von Männlichkeit, Homophobie und Sexismus im Fußball bis heute entwickelt haben. Hierzu ist es wichtig, Fußball auch als herrschaftsstabilsiierendes Element zu betrachten. Dazu riskiert Dembowski Blicke zu den Anfängen des Fußballs in Großbritannien, des „folk footballs“ auf den britischen Inseln und dem „calcio“ in Italien bis hin zu den alternativen Fan- und Ultrabewegungen, die sich seit den 1990er Jahren gegen Diskriminierung und diverse Auswüchse der Kommerzialisierung im Fußball stellen.

Seit Beckham und der deutschen WM-Elf 2006 um Schweini und Poldi gesellt sich eine scheinmodernisierte Form von Männlichkeit zu den anderen Formen, um das Produkt Fußball langfristig offen und zugänglich für alle Kundengruppen zu gestalten. Parallel können althergebrachte Formen von Maskulinität weiter existieren und an anderen Orten und Zeiten auftreten. Und wenn es gegen Diskriminierung geht, dann stehen Homophobie und Sexismus noch entschieden weiter unten auf der Rangliste. So tarnt und scheinmodernisiert sich Heteronormativität. Was wird dadurch besser? Wo sind Grenzen, aber auch Optionen für eine queer-feministische, evtl. gleichzeitig anarchistische Perspektive? Das könnte diskutiert werden.

Zur Person GERD DEMBOWSKI: www.gerd-dembowski.de

Gerd Dembowski aus Berlin und Cairo/Illinois ist als Sozialwissenschaftler seit 1995 im Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) aktiv. U.a. wurde er bekannt durch die von ihm maßgeblich mitorganisierte BAFF-Wander-Ausstellung „Tatort Stadion“ und die Wander-Ausstellung „BallArbeit. Szenen aus Fußball und Migration“ der Projektgruppe Flutlicht. Dembowski war lange Sprecher für das Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE) und bis 2011 in der AG Fandialog des DFB und der DFL aktiv. Zuletzt veröffentlichte er mit Diethelm Blecking „Der Ball ist bunt. Fußball, Migration und die Vielfalt der Identitäten in Deutschland“.

Fans und Repression – Fußball als Trainingsfeld für Überwachung und Kontrolle?

Podiumsdiskussionen mit Vertretern aus Fanszene, Fanarbeit, Polizei und Justiz

Immer häufiger beklagen Fußballfans eine zunehmende polizeiliche Repression innerhalb und außerhalb der Stadien. Ihre Kritik fokussiert gegenwärtig vor allem auf die Vergabepraxis von Stadionverboten, die nach Meinung der Anhänger willkürlich und intransparent erscheint. Gleichzeitig rechtfertigen die Sicherheitsbehörden die Notwendigkeit ihres Vorgehens durch die penible und aus Fan-Sicht teils dramatisierende Dokumentation jeglichen ‚Fehlverhaltens’ unter den Zuschauerinnen und Zuschauern. Besonders Großveranstaltungen wie die Fußball-Europameisterschaft der Männer 2008 in Österreich und der Schweiz wurden in der Vergangenheit genutzt, um neuartige, nicht selten auch über die Tragweite des Fußballs hinausreichende Sicherheitsmaßnahmen einzuführen, zu erproben und öffentlichkeitswirksam zu bewerben. Der Protest der Fans gegen repressive Maßnahmen birgt somit womöglich auch gesellschaftspolitische Relevanz über die eigene Subkultur hinaus.

Die Podiumsdiskussion will die Positionen von Fanszene, Bundesliga, Sozialarbeit, Anwaltschaft, Polizei und Justiz abwägen und gleichzeitig zum Dialog anregen. Einzelne Vertreter aus diesen Bereichen diskutieren am Podium aktuelle Fragestellungen zum Thema Fans und Repression und antworten auf die Fragen der Besucherinnen und Besucher.

Moderation: Michael Klingseis

Am Podium:

THOMAS GASSLER:

1985-1992 Spieler des FC Wacker Innsbruck. 1991 Mitbegründer der VK ’91 (Verrückte Köpfe). Seit 2010 Europäischer Fanbotschaftskoordinator für die EM 2012 bei Football Supporters Europe.

ARMIN WEBER:

Studium der Sozialen Arbeit. Seit 2008 Vorstandsmitglied der Faninitiative Innsbruck. Seit 2007 Vorstandsmitglied des Verein LISA – Liga für Integration Sport  und Antirassismusarbeit. 2008-2011 Bewährungshilfe – Haftentlassenenhilfe. Ab 1.12.2011 Fanarbeit Innsbruck – Sozialarbeit mit Fußballfans.

MATHIAS KAPFERER:

Anwalt und seit Jahren „Berater“ der Faninitiative bzw. der VK (Verrückte Köpfe) in verschiedenen Bereichen. Vertritt laufend Fans in zahlreichen Verfahren. Ebenfalls bekannt durch seinen Beitrag während der EM 2008 auf der Uni Innsbruck zum Thema „Fußball und präventiver Sicherheitsstaat“, auch als Publikation über diese Veranstaltung nachzulesen.

MARTIN WEBERBERGER:

Seit 2007 Vorstandsmitglied von FC Wacker Innsbruck und seit 2006 Faninitiative Innsbruck – Verein zur Förderung der Fußball-Fankultur.

BERND BRUNNER:

Kontrollinspektor, Hauptsachbearbeiter beim Szenekundigen Dienst, Landespolizeikommando für Tirol – Organisations- und Einsatzabteilung.

PETER JEDELSKY (angefragt):

Studium der Rechts- und Staatswissenschaft. Unter anderem Leiter des Büros Kriminalpolizeilicher Beratungsdienst & Jugendpolizei sowie im Bereich der Gewaltprävention beim Fußball. Weiters tätig als Arbeitsgruppenleiter für die Vorbereitung der Fußball-Europameisterschaft 2008. Seit 2002 Leiter der „Fanpolizei Wien“. Mitglied im für Stadionsicherheit zuständigen Senat 3 der Bundesliga.

Nachspiel hosted by FC Eingerecht aka Lovegoat  in der P.M.K. – Lounge

Schererei mit dem Tatort Stadion“
DJ Rev.Rumble
DJ SoundKnecht
and friends

Flyer zum Downloaden: Tatort Stadion

 

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