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BAFF-Newsletter 01/2012
Betreff: BAFF-Newsletter 01/2012
Sendungsdatum: 2012-01-12 12:02:12
Ausgabe #: 7
Inhalt:
Stellungnahme zum Hamburger Hallenfußballturnier am 7. Januar 2012

Pressemeldung von BAFF

Das Bündnis Aktiver Fußballfans verurteilt den erneuten Einsatz von Pfefferspray in einer Menschenansammlung und kritisiert die Form der Berichterstattung zum Abbruch des Hamburger Hallenfußballturniers.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden in den Medien statt selbst recherchierter Erkenntnisse lediglich Informationen der Polizei abgedruckt und nicht entsprechend gekennzeichnet oder der Text von Presseagenturen übernommen. Der durch die Verbindung von Halbwahrheiten mit Zahlen aus dem Polizeibericht entstandene Eindruck weicht deutlich von den Schilderungen der Betroffenen und Augenzeug_innen ab.


Weder die Rolle der Polizei noch eine Verantwortung des Veranstalters werden thematisiert und teilweise werden Abläufe nicht korrekt wiedergegeben.
Statt den Angriff der Vfb Lübeck- und HSV-Fans als solchen zu benennen, ist die Rede von einer zwischen allen drei Fanszenen verabredeten Auseinandersetzung im Hooligan-Style und ein politischer Hintergrund des Konflikts wird ebenso wie die diskriminierenden und judenfeindlichen Rufe der „Gäste“ komplett ausgeblendet. Auf die offizielle Stellungnahme des FC Sankt Pauli schließlich reagieren Teile der Presse mit Skepsis und einer Interpretation von einseitiger Schuldzuweisung.
Abgesehen davon, dass hier weder Boulevardmedien noch vermeintlich seriöse Zeitungen ihrem Auftrag nachgekommen sind, führt eine derartige Berichterstattung zu weiterem Misstrauen gegenüber der Presse.
Für besonders perfide erachten wir in diesem Zusammenhang - und dies nicht zuletzt unter den Eindrücken um die sog. Zwickauer Neonazi-Zelle und vor dem Hintergrund der Forderung couragierten Auftretens gegen Rechtsextremismus-, dass einzelne Medien die Aussage des Organisationsleiters und Sicherheitschefs vom FC Sankt Pauli, Nazis sollten im Sankt Pauli-Block durchaus auch "das Gefühl haben", "gesundheitlichen Schaden" zu nehmen, als allgemeine Legitimierung von Gewalt deuten.

Nachdem es im letzten Jahr bei Fußballspielen mehrfach zu Verletzungen durch den Einsatz von Pfefferspray in Menschenmengen kam – exemplarisch seien hier die Begegnungen Rot-Weiß Erfurt / Darmstadt 98, Hannover 96 / FC Bayern München und SGE Frankfurt / Karlsruher SC genannt -, stellen die Vorgänge in der Alsterdorfer Sporthalle einen neuen Negativrekord dar.
Vorgeblich als Distanzmittel zur Abwehr von „Störern“ und als Mittelweg zwischen körperlicher Abwehr durch Schlagstockeinsatz und Schusswaffengebrauch gedacht, wurde am Freitag in Hamburg Pfefferspray häufig präventiv und in Verbindung mit Schlagstöcken auch gegen vermeintlich nicht angreifende Menschen eingesetzt. Fehlende Zielgenauigkeit führte dazu, dass neben den angeblich abzuwehrenden Gewalttäter_innen auch Kinder, ältere Menschen und die Beschäftigten an den Verkaufsständen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sowohl in der Halle als auch bei den Toiletten wurde Pfefferspray eingesetzt, das bis in den Umlauf zog. Beim Abtransport der FCSP-Fans wurde in einen voll besetzten S-Bahn-Wagen ebenfalls Pfefferspray gesprüht.
Mag es vom Standpunkt der Polizei aus noch nachvollziehbar sein, dass „gewalttätige“ Fußballfans durch solche Einsätze gesundheitlichen Schaden erleiden können, zeugt die Aussage Rüdiger Reedwischs von der Deutschen Polizeigewerkschaft zu den gesundheitlichen Risiken für Kranke von menschenverachtendem Zynismus: „ Wir können nicht jeden fragen, ob er irgendwelche Medikamente nimmt. Wer sich ordnungsgemäß verhält, kriegt kein  Pfefferspray  ab.“ (Neues Deutschland vom 9.11.2011)
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum bereits vor Beginn des Turniers eine derart hohe Anzahl an Krankenwagen vor der Halle stand.

Bedauerlicherweise führte die Expertenanhörung des Innenausschusses zum Einsatz von Pfefferspray im November letzten Jahres zu keinem positiven Ergebnis, so dass von weiteren willkürlichen Einsätzen auszugehen ist, bei denen lebensgefährliche Verletzungen von der Polizei in Kauf genommen werden.
Weitere Infos unter: www.aktive-fans.de
Anfragen: info@aktive-fans.de
Rückfragen der Presse an:  Ela Mateika, 0177 - 57 23 503

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